Vegetarisch vs. vegan

Vegetarisch vs. vegan
02/09/2021

Wenn Menschen sich vegan oder vegetarisch ernähren, dann liegt das nur selten am Geschmack oder an einer Unverträglichkeit der Produkte. Sowohl Vegetarier als auch Veganer wollen das Töten von Tieren vermeiden und lehnen die industrielle Massentierhaltung ab. Aber wer isst nun was, oder was eben nicht?

Vegetarisch vs. vegan

Wenn Menschen sich vegan oder vegetarisch ernähren, dann liegt das nur selten am Geschmack oder an einer Unverträglichkeit der Produkte. Sowohl Vegetarier als auch Veganer wollen das Töten von Tieren vermeiden und lehnen die industrielle Massentierhaltung ab. Aber wer isst nun was, oder was eben nicht?

Hier die Basics

  • Ovo-Lakto-Vegetarier sind die größte Gruppe unter den Vegetariern. Ovo-Lakto-Vegetarier meiden Fleisch und Fisch, essen aber Eier und Milchprodukte.
  • Lakto-Vegetarier verzichten auf Fleisch, Fisch und Eier, verzehren aber Milch und Milchprodukte.
  • Ovo-Vegetarier essen kein Fleisch, keinen Fisch, keine Milch und Milchprodukte. Eier sind dagegen erlaubt.
  • Pescetarier meiden das Fleisch von Tieren, essen aber Fisch und Meeresfrüchte. Pescetarier zählen im strengen Wortsinn nicht zu den Vegetariern, da Produkte von lebenden Tieren gegessen werden.
  • Flexitarier essen nur in Ausnahmefällen Fleisch. Dieses ist von möglichst hoher Qualität oder stammt von Biohöfen. Im Wesentlichen ernähren sich Flexitarier vegetarisch.
  • Veganer lehnen alle Produkte vom Tier ab. Sie essen also kein Fleisch, keinen Fisch und keine tierischen Erzeugnisse wie Milch, Milchprodukte, Eier oder Honig. Der Verzicht geht bis hin zu Bekleidung und Produkten des Alltags. So sind zum Beispiel Schuhe aus Leder oder Bekleidung aus Wolle tabu. Produkte, die in Tierversuchen getestet werden, lehnen viele Veganer ebenfalls ab.
  • Frutarier ernähren sich lediglich von solchen Pflanzen, die bei der Ernte nicht beschädigt werden, also von Obst, Nüssen und Samen. Die Verwendung von Gemüsepflanzen ist unter Frutariern umstritten.

Vegetarische Ernährung

Wer sich vegetarisch und dabei ausgewogen ernähren möchte, setzt bei seinem Speiseplan auf Gemüse, Hülsenfrüchte, Obst, Getreide- und Vollkornprodukte sowie Kartoffeln, Nüsse und hochwertigen Pflanzenöle. Dazu kommen Milch, Milchprodukte sowie Eier. Einige Studien zeigen, dass Vegetarier meist besser mit Kalium, Magnesium, Folsäure, Vitamin C, E und Ballaststoffen versorgt sind. Auch konnte in Untersuchungen ein geringeres Risiko für Diabetes Typ II oder auch Bluthochdruck im Vergleich zu Fleischessern festgestellt werden. Außerdem hat eine vegetarische Ernährung ökologische Vorteile, weil auf Fleisch verzichtet wird, dessen Erzeugung das Klima belastet – Stichwort: Methan-Ausstoß bei Kühen, Ziegen und Schafen.

Vegane Ernährung

Eine vegane Ernährung, also ein Speiseplan ganz ohne tierische Produkte, erfordert Kenntnisse zu Nährstoffen und eine gute Zusammenstellung der pflanzlichen Lebensmittel. Eine ausgeglichene vegane Ernährung geht weit über das Kochen von Nudeln mit Tomatensauce hinaus. Ohne tierische Lebensmittel fehlen wichtige Lieferanten für einige Vitamine und Mineralstoffe im Speiseplan. Das gilt besonders für Vitamin B12, Vitamin B2 und Kalzium. Außerdem können wichtige Eiweißbausteine (Aminosäuren) fehlen, da sie nicht in jeder pflanzlichen Eiweißquelle vorkommen. Aber durch die Kombination verschiedener Lebensmittel, wie zum Beispiel Getreide mit Hülsenfrüchten, lässt sich eine ausreichende Versorgung erreichen.
Sinnvoll ist es, sich in regelmäßigen Abständen (einmal jährlich) beim Hausarzt untersuchen zu lassen und ein eventuelles Defizit an bestimmten Nährstoffen gezielt mit Supplementen auszugleichen.

Vegan liegt zur Zeit voll im Trend. Am laufenden Band eröffnen vegane Supermärkte, vegane Eissalons (nicht zuletzt wegen vermehrt aufretender Kuhmilch-Unverträglichkeit) und sogar vegane Burger-Lokale. In Österreich leben laut Schätzung der VGÖ (Vegane Gesellschaft Österreich) mittlerweile rund 765.000 Vegetarier, 80.000 Veganer und über 4,2 Millionen Flexitarier.

Ist nun eines gesünder als das andere?
Die Antwort gleich vorweg: es gibt keine wissenschaftlichen Belege dafür, dass Veganismus Vor- oder Nachteile für die Gesundheit hat. Beobachtungsstudien zeigen allerdings, dass sowohl eine vegetarische wie auch eine vegane Ernährung das Krebsrisiko verglichen mit einer Mischkost geringfügig zu senken scheint.

  • © Rochelt

  • © Rochelt

Ein paar außergewöhnliche Randgruppen an Ernährungsformen möchten wir noch herausstreichen:

Puddingvegetarier

Als solche bezeichnet man die Vegetarier wertend, die zwar aus ethischen Gründen auf Fleisch und Fisch verzichten, denen aber eine bewusste Ernährung ziemlich egal ist. Sie ernähren sich von veganem Junkfood, also Fertigprodukten wie Pizza, Süßigkeiten, Chips oder Weißmehlerzeugnissen und achten also weder auf Vitamine und Ballaststoffe noch auf Kalorien. Zu beobachten sind dann Folgen wie Übergewicht oder Mangelernährung.

Freeganer

Die Freeganer sind eine politisch motivierte Gruppe, die bei der Ernährung grundsätzlich keine Lebensmittel ausschließen, sie dürfen jedoch nicht aus kommerziellem Handel stammen. Da ihre Intention als politische Aktivisten darauf zielt, auf Armut und auf das Konsumverhalten der Menschen hinzuweisen, ernähren sie sich grundsätzlich nur von selbstangebauten, geschenkten, von anderen weggeworfenen oder gefundenen Lebensmitteln.

Paleotarier

Ernähren sich von Lebensmitteln, die schon in der Steinzeit zur Verfügung standen. Man bezeichnet diese Form der Ernährung auch als Steinzeit-Diät oder Paleo-Ernährung. Die Auswahl dieser Ernährungsform umfasst Obst, Gemüse, Nüsse, Honig, Eier und Fleisch. Im Gegenzug wird auf Milch- und Getreideprodukte verzichtet. Tendenziell handelt es sich hier eher um eine Form der Diät, die der Idee folgt, dass der menschliche Organismus seit 2,5 Mio. Jahren an diese Kost gewöhnt ist und somit gut zu verdauen und verwerten sei. Dagegen ließe sich argumentieren, dass der Mensch heute weniger Energie benötigt als damals in der Steinzeit, außerdem erscheint der hohe Eiweißanteil bedenklich.

Gut zu wissen: Das V-Label

Das V-Label wurde von der Europäischen Vegetarier-Union (EVU) entwickelt. Die EVU ist eine Dachorganisation für Vegetarier-Vereine und Gruppen in Europa. Es ist eine international geschützte Marke, um vegetarische und vegane Lebensmitteln zu kennzeichnen. Das Label soll ermöglichen, vegetarische und rein pflanzliche (vegane) Produkte auf Lebensmittelverpackungen und Speisekarten schnell und eindeutig zu erkennen und gilt in fast allen Ländern Europas.

Das V-Label wird in zwei Kategorien vergeben. Alle Kategorien haben gemein, dass gekennzeichnete Produkte keine Zutaten oder Substanzen von getöteten Tieren enthalten dürfen.
Die zwei Kategorien sind:

  •  vegetarisch: ohne tierische Bestandteile (Lebensmittel wie Milch, die mithilfe von lebenden Tieren gewonnen werden, sind erlaubt.)
  • vegan: ohne tierische Bestandteile oder Erzeugnisse

Jedes Produkt, das mit dem Europäischen V-Label gekennzeichnet ist, darf keine der folgenden Zutaten oder Hilfsstoffe für die Verarbeitung enthalten:

  • Tierfleisch (Fleisch, Geflügel, Fisch, Meeresfrüchte)
  • Zutaten, die aus Fleisch oder Knochen hergestellt werden (in Suppen, Saucen oder Zubereitungen)
  • Tierische Fette (Ausnahme: Butterfett), Bratfette oder Margarine, die Fischöl oder ähnliche Produkte enthalten, zum Beispiel in Kuchen, Aufläufen, Pasta, zum Backen und Braten, zum Einfetten der Backbleche und Büchsen oder irgendeiner anderen Verwendung
  • Gelatine, Aspik, Geliermittel tierischer Herkunft
  • Gelée Royale (spezielles Bienenprodukt)
  • andere Produkte, die Zutaten aus Schlachtabfällen enthalten

Honig ist in Produkten mit dem V-Label erlaubt, allerdings nicht für Artikel, die als „vegan“ oder „rein pflanzlich“ deklariert sind. Nicht verwendet werden darf das Label unter anderem bei Käse, der mit Kälberlab hergestellt wurde, sowie Fruchtsäften, die mit Gelatine geklärt wurden. Grundsätzlich ausgeschlossen sind Produkte mit Eiern aus Käfighaltung und gentechnisch veränderte Produkte.

Achtung: Die ausgezeichneten vegetarischen oder veganen Produkte sind nicht automatisch gesünder oder immer mit Tierschutz verbunden. Denn die Auszeichnung der vegetarischen Produkte sagt nichts über die Herkunft der darin verwendeten Zutaten lebender Tiere wie zum Beispiel Milch aus. Selbst wenn ein Produkt als vegetarisch gekennzeichnet ist, kann es trotzdem Milch aus Massentierhaltung enthalten.

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